SPD Vörstetten

 

40 Jahre SPD Ortsverein Vörstetten

Rede von Dr. Thomas Schonhardt zum 40 jährigen Bestehen des Ortsvereins Vörstetten

Verglichen mit dem Alter Vörstettens – über 1000 Jahre alt – stellen 40 Jahre wahrlich nur einen kurzen Zeitraum dar. Als die älteste Ortspartei in Vörstetten sind aber 40 Jahre Anlass genug zurückzublicken. Ich werde heute nur ansatzweise diese 40 Jahre skizzieren, vieles bleibt daher unerwähnt.

Am 19. August 1971 trafen sich 11 Vörstetter im Gasthaus Löwen: Karl Schweigler, Willi Horne, Friedrich Stahl, Horst Bohnert, Fritz Deutsch, Karl Flamm, Robert Bohnert, Theo Göttler, Siegmund Loemm, Albert Lorenz und Wilhelm Lübow, Rolf Frey war entschuldigt.

Sie alle hatten ein Ziel: die Vörstetter Bürger sollten bei der Kommunalwahl die Möglichkeit haben, aus zwei Listen ihre Kandidaten zu wählen, bisher gab es nur eine (Freie Wähler). So gründeten sie den SPD-Ortsverein Vörstetten. Erster Vorsitzender wurde Karl Schweigler, sein Stellvertreter Willi Horne, Kassierer Friedrich Stahl und Schriftführer Horst Bohnert. Als Beisitzer und gleichzeitig Kassenprüfer fungierten Fritz Deutsch und Karl Flamm. Vier aus der Gründungsversammlung traten an diesem Abend der SPD bei, sieben andere waren schon vorher Mitglied im Denzlinger Ortsverein gewesen. Der Denzlinger Vorsitzende Klaus Kokemüller fungierte als erfahrener Versammlungsleiter, Gemeinderat Werner Hohwieler aus Denzlingen und der Emmendinger Kreisvorsitzende Wilhelm Maier leisteten sozusagen ‚Geburtshilfe‘, denn man betrat hier ja Neuland. Schon am 7. September 1971 fand die erste Mitgliederversammlung im Café „Schwarzwaldblick“ (heute: Landgasthaus) statt, da die Gemeinderatswahlen im Oktober nahten. In geheimer Abstimmung wurden als Kandidaten der Vörstetter SPD für die Gemeinderatswahl Karl Schweigler, Karl Flamm, Willi Horne, Horst Bohnert und Albert Lorenz gewählt. Am Freitag, dem 8.10.1971, stellten diese Kandidaten sich und ihr Programm im Vereinsheim in der Heimstraße vor. Das Interesse an diesem ersten öffentlichen Auftritt der SPD war riesengroß. Das Protokoll verzeichnet, dass der Ortsvereinsvorsitzende Karl Schweigler „nahezu 80 Personen, darunter fast vollzählig der Gemeinderat mit Bürgermeister Ritter“, (Vörstetten hatte damals etwa 1400 EW) begrüßen konnte. Ich zitiere aus dem Protokoll über die erste Wahlversammlung: „Im folgenden entwickelte sich eine lebhafte Diskussion, wobei die Versammlungsleitung … bemüht war, dass alle, die … etwas auf dem Herzen (hatten), zu Wort kamen. Zum Schluss dankte Schweigler allen, die sich an der sehr offenen und freimütigen Aussprache beteiligt“ hatten. Trotz des Wirbels, den die erstmalige Beteiligung einer Partei an der Gemeinderatswahl in unserem Dorf hervorgerufen hatte, scheint es also gesittet und friedlich zugegangen zu sein. Karl Flamm zog schließlich als einziger von der SPD-Liste in den Gemeinderat ein und sagte im BZ-Interview 1996 im Rückblick: „Anträge habe ich viele gestellt, die wurden meist gleich abgeschmettert, doch das Seltsame war, dass sie dann ein viertel Jahr später doch plötzlich auf der Tagesordnung standen. An meinen ersten Antrag erinnere ich mich noch heute. Dabei ging es darum, wie die neu gegründete Verwaltungsgemeinschaft heißen sollte. Der Vorschlag lautete ‚Denzlingen-Reute-Vörstetten‘, wobei sich Reute für diese Form bereits entschieden hatte. Ich brachte den Antrag ein, Vörstetten vor Reute zu stellen“, weil Vörstetten ja schon ein Jahr vor Reute der Verwaltungsgemeinschaft beigetreten war .

1975 gab es erstmals neben der SPD-Liste eine Liste der CDU und der FDP. Karl Flamm wurde wiedergewählt, ebenso wurden für die SPD Willi Horne und Walter Frey gewählt.

Im Zentrum der Aktivitäten des jungen Ortsvereins standen in den ersten Jahren die Bemühungen um eine Verbesserung der Busverbindungen von und nach Vörstetten und Vorschläge zur Herstellung eines kindgerechten Spielplatzes – es gab ja ein erstes größeres Neubaugebiet (Talacker/Bühlacker), die Forderung nach der „Schaffung von Möglichkeiten zur Ansiedlung von gewerblichen Unternehmen“. Kontrovers diskutiert wurde der Vorschlag einer Umgehungsstraße, den die SPD-Gemeinderäte Fischbach und Bohn in einem Offenen Schreiben der Vörstetter Bevölkerung vorstellten und die Auseinandersetzungen um einen damals geplanten Atombunker, den die SPD-Fraktion ablehnte.

Mehrfach hatten SPD-Gemeinderäte in diesen 40 Jahren für Tempo 30/40 in Vörstetten sowie Überquerungshilfen gekämpft, 89/90 für die Wiedereröffnung der Gemeindebücherei der Bereitstellung von 5000.- DM beantragt (heute sicherlich eine der bestausgestatteten für eine Gemeinde dieser Größenordnung), Haushaltsmittel für die Förderung regnerativer Energien gefordert (2001, 5000.-Euro). Wir waren die ersten, die eine finanzielle Förderung für die Kleinen Strolche beantragt hatten, ebenso wurde von uns schon frühzeitig die Betreuung der unter Dreijährigen gefordert (in diesen Feldern sind wir sicherlich vorbildlich als Gemeinde), 2004, lange vor Fukushima, beantragte die SPD-Fraktion eine Resolution zum AKW Fessenheim. Eine weitere in der Bevölkerung heftig und kontrovers diskutierte Entscheidung hatte die SPD-Fraktion angestoßen, die ich nochmals in Erinnerung rufen will. Bezüglich des Neubaugebietes Reutacker hatte die SPD-Fraktion einen höheren Flächenabzug der Eigentümer an die Gemeinde als bisher gefordert (30%, vorgeschlagen 50%). 2003 hat der Gemeinderat einstimmig eine solche höhere Abgabe beschlossen, die sich als richtig erwiesen hat, denn dadurch war es der Gemeinde möglich, jungen Familien ein Bauen finanziell erträglich zu gestalten.

Diese Punkte sollen zeigen, dass die SPD-Fraktion durchaus schon sehr frühzeitig wichtige Denkanstöße gegeben und Entwicklungsprozesse in Gang gesetzt hat.

Kurz seien hier auch die SPD-Gemeinderäte genannt: Reihenfolge nach Stimmenzahl, nach 1980

  • 1980 Willi Horne (579), Karl Flamm (343) und Manfred Fischbach (302),

  • 1984 Manfred Fischbach (1121), Karl Flamm (400), Helmut Spittler (351) und Eberhard Bohn (305),

  • 1989 der größte Erfolg: 5 Gemeinderäte der SPD zogen in das Rathaus ein: Manfred Fischbach (1398), Helmut Spittler (705), Maria Schmalen (444), Bernhard Pawelke (440), Eberhard Bohn (432).

  • 1994 hießen die SPD-Gemeinderäte Bernhard Pawelke (709), Inge Mais-Kemmler (653), Maria Schmalen (642) und Helmut Spittler (581),

  • 1999 Thomas Schonhardt (615), Bernhard Pawelke (550) und Helga Fischbach (467)

  • 2004 Thomas Schonhardt (992), Bernhard Pawelke (804), Anna Raynor (463) und Inge Mais-Kemmler (413),

  • 2009 Thomas Schonhardt (1245), Bernhard Pawelke (536) und Inge Mais-Kemmler (465).

Zur Gemeinderatswahl 1984 wurde ein Kalender mit historischen Bildern Vörstettens herausgegeben, der schnell vergriffen war. 1999 beschritt der Ortsverein Neuland bei der Präsentation der Kandidaten. Zahlreiche Besucher konnten die Kandidaten in Interviews kennenlernen. Die Fragen hierzu stellten Martina Schutzbach, Wilma Raynor und Manfred Fischbach. Der Auftritt von Adelheid Froß mit ihren Kollegen von der Alemannischen Bühne, sie stellten Sketche von Loriot dar, sorgten für einen stimmungsvolle und heitere Präsentation.

1983 wurde Manfred Fischbach Nachfolger von Willi Horne, der im Oktober 1983 viel zu früh verstarb. Manfred Fischbach war auch Fraktionssprecher von 1984 bis zu seinem Ausscheiden aus dem Gemeinderat 1994, seither hat dieses Amt Bernhard Pawelke inne. Auf der Jahreshauptversammlung 1991 wurde Inge Mais-Kemmler zur neuen Ortsvereinsvorsitzenden gewählt, es folgte 1997 Thomas Schonhardt, der mit Unterbrechung eines Jahres, in dem Marc Kürner den Vorsitz innehatte (07/08), seither Vorsitzender ist. 

Im Rahmen des Auftrages – zur politischen Willensbildung beizutragen - hat der Ortsverein in den vergangenen 40 Jahren zahlreiche Veranstaltungen organisiert und durchgeführt. Ich erinnere an die Besuche von:

  • der damaligen stellv. Fraktionsvorsitzenden Herta Däubler-Gmelin (1992),

  • Rolf Disch, Solararchitekt

  • 2001 Ernst Ulrich von Weizsäcker (Thema Energiewende Baden-Württemberg

  • 2003 die stellvertretende verkehrspolitische Sprecherin der SPD Bundestagsfraktion Karin Rehbock-Zurreich und der Projektleiter der DB Christophe Jacoby (eine Informationsveranstaltung zum Neu/Ausbau der Rheintalstrecke (3./4.Gleis)

  • 2006 der damalige Staatsminister im Außenministerium Gernot Erler (Pulverfass Nahost)

  • 2009 die Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Marion Caspers-Merk, die über das Thema „Zukunft der Gesundheit – gute Versorgung für alle“ referierte.

Vor allen Wahlen sah man uns auch immer mit unserem Wahlstand und SPD-Schirm zwischen Bäcker und Metzger (zusammen mit den jeweiligen Kandidaten Marianne Wonnay, Peter Dreßen, Johannes Fechner oder Sabine Wölfle). Hier ergaben sich durchaus interessante und teils auch heftige Diskussionen mit den Bürgern, wir wurden konfrontiert mit Aussagen wie „von euch nehme ich nichts“ bis „ihr habt die Ideen der Sozialdemokratie verraten“ , sogar aus einem Auto heraus wurde uns von einem Vörstetter Bürger zugerufen: „Gebt auf!“! Aber – wir haben Flagge gezeigt und sind fast immer in den Vörstetter Wählerstimmen an erster Stelle gelegen.

Das Wahlergebnis von der Landtagswahl 2001 mit 41,8% (Kandidatin Marianne Wonnay) oder das Erststimmen-Ergebnis von Peter Dreßen bei der Bundestagswahl 2002 mit 49,6 % lassen allerdings leichte Wehmut aufkommen. Vielleicht lag dieses gute Ergebnis (2002) auch an unserem „WahlCafe mit Musik – Süßes und Pikantes am Nachmittag“, mit Liedern, gesungen von Goschehobel.

Peter Dreßen weilte oft im Dorf, um die aktuellen tagespolitischen Ereignisse und die „große Politik“ uns und interessierten Zuhörern nahezubringen bzw. zu erklären:

  • 1998 besuchte er das Gewerbegebiet Grub, wurde dort bei den Firmen Bolz und Leitle sehr freundlich empfangen und konnte mit den Mitarbeitern und Firmenchefs aufschlussreiche Gespräche führen

  • 1999 berichtete er zu „Halbes Jahr Rot/Grün“

  • 2000 referierte er zu „Wie sicher sind unsere Renten!“

  • 2003 fand eine Diskussion mit den Vörstetter SPD-Mitgliedern statt, nachdem der Vorstand in einem offenen Brief verschiedene Punkte der Agenda 2010 (u.a. Absenkung der Arbeitslosenhilfe, zeitl. Einschränkung des Arbeitslosengeldes, Kündigungsschutz) kritisiert hatte, versuchte er, die Wogen zu glätten

  • 2003 folgte ein Besuch bei Walter Leimenstoll im Bäckereimuseum

  • zuletzt 2004 „Hartz IV und seine Folgen“.

Ein besonderes Ereignis war die Urwahl am 23. Juli 2000 über die Wahl des Spitzenkandidaten/in der Landtagswahl 2001; mit einer Wahlbeteiligung von 96,6% erreichten wir das zweitbeste Ergebnis im Landkreis Emmendingen. Das Wahllokal war bei Wilma Raynor, mit Kaffee und Kuchen. Auch eine mobile Wahlurne war unterwegs zu Theo Göttler, der aufgrund seiner Krankheit nur zu Hause wählen konnte.

Das Herbstfest des Ortsvereins war lange Jahre fester Bestandteil des Vörstetter Vereinslebens. Im Jahre 1988 entstand hierzu die Idee, Anlass war die Neugestaltung des Spielplatzes (3.Oktober 1988) am Sportplatz. Zu diesem Zweck übergab der Ortsverein damals den Erlös von 1000.- DM an die Gemeinde. In den späteren Jahren wurde die Hälfte des Reinerlöses gespendet (insgesamt über 7000.- Euro), die andere Hälfte diente zur Finanzierung des Roten Blättles. Das letzte Herbstfest fand 2008 statt. Gespendet wurden an die Jugendabteilungen von Feuerwehr, Rotes Kreuz, Tennisverein, Fußballverein, Tischtennisverein, Musikverein und Reit-und Fahrverein, an Jugendtreff, krebskranke Kinder Jugoslawien, Kirchl. Sozialstation, Bürgerinitiative Eichelbuck, Kleine Strolche und nochmals der Gemeinde Vörstetten für den Waldlehrpfad.

Günter Schmalen mit seinen Musikern hatte viele Jahre die Herbstfeste musikalisch begleitet, später der Musikverein Vörstetten. Ihnen gilt an dieser Stelle unser Dank!

Ein Wort noch zum Roten Blättle .

Gründer des Roten Blättles war Manfred Fischbach, große Unterstützung hatte er in den Anfangsjahren in Bernhard Pawelke. In der Erstausgabe 1988 waren Themen:

Verkehrsberuhigung, Tempo 30, Füßgängerampel, Kinderspielplatz.

Im Roten Blättle wurde über viele Jahre die Arbeit des Ortsvereins und der SPD-Gemeinderäte dargestellt, es war das Mitteilungsblatt des Ortsvereins und sollte die Bürgerinnen und Bürger auch schon vorab über anstehende Entwicklungen im Dorf informieren. Es wurde von den Ortsvereinsmitgliedern kostenlos an alle Haushalte in Vörstetten/Schupfholz verteilt. Viele Bürgerinnen und Bürger warteten gespannt auf jede neue Ausgabe, es gab sogar Spenden Vörstetter Bürger für die Druckkosten. Dafür nochmals ein herzliches Dankeschön. Da die Herstellungskosten zu hoch wurden und nicht mehr über die Einnahmen aus dem Herbstfest und der Werbung gedeckt werden konnten, erschien das letzte Rote Blättle 2002. Wir bedauern das sehr, sind aber auf die vorausgegangenen Ausgaben sehr stolz.

Zum Abschluss möchte ich allen Kandidatinnen und Kandidaten, die sich in den vergangenen Jahren auf der SPD-Liste für den Gemeinderat haben aufstellen lassen, unseren Dank und Respekt aussprechen.

Ein besonderer Dank gilt unseren Mitgliedern im Ortsverein, die uns über all die Jahre die Treue gehalten und ihre Verbundenheit bewahrt haben. Erinnern möchte ich auch an die unsere verstorbenen Mitglieder, die viel Aufbauarbeit geleistet haben.

Die SPD Vörstetten ist für die Bürgerinnen und Bürger Vörstettens, für den Bürgermeister und den Gemeinderat sowie die Vereine ein verlässlicher und konstruktiver, durchaus auch kritischer Partner.

Wir danken allen Bürgerinnen und Bürgern, die uns – hoffentlich auch zukünftig - ihr Vertrauen geschenkt und uns unterstützt haben. Die SPD Vörstetten hat sich immer für das Wohl und die Interessen der Vörstetter Bürgerinnen und Bürger eingesetzt.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und freue mich, dass sie so geduldig zugehört haben!

Thomas Schonhardt, 1.Vorsitzender

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